Heute gibt es etwas zum Nachdenken – zwei Gleichnisse.

Gleichnisse heute

Denn mit der Schöpfung Gottes ist es wie mit einem brennenden Haus.

Ein gütiger Mann besaß ein großes Haus und gab allen seinen Freunden und Bekannten die Erlaubnis, darin zu wohnen. Dafür übertrug er ihnen die Verantwortung, sich darum zu kümmern. Die Menschen ließen es sich gut gehen, denn sie waren egoistisch und dachten nicht an die Außenwelt. So lebten sie im Wohlstand und bemerkten nicht, dass sie dem Rest des Dorfes schadeten, indem sie viel mehr Strom, Wasser und andere Rohstoffe verbrauchten als ihnen zu stand. Auch das große Haus zerstörten sie mehr und mehr, denn sie gingen nicht sorgsam damit um und räumten ihren Müll nicht weg, da sie zu sehr mit ihrem Luxusleben beschäftigt waren.

Eines Tages brach ein Feuer in dem Haus aus, das sich langsam in alle Stockwerke und Räume ausbreitete. Die Bewohner könnten es noch löschen, doch sie sind immer noch davon abgelenkt, ihr Vermögen so viel wie möglich zu vermehren.

Doch irgendwann wird sich das Feuer durch den leicht entflammbaren Müll, den die Menschen hinterlassen haben, soweit ausgebreitet haben, dass sie das Haus nicht mehr retten können. So werden nur diejenigen, die rücksichtsvoll und aufmerksam sind und ihren eigenen Reichtum vernachlässigen, einen Beitrag dazu leisten den Reichtum des Reichs Gottes auf der Erde zu bewahren.

Rachel Zoth, 12, gk Religion (Frau Hoffmann)

Von einer besseren Welt sprechen – Gleichnisse heute

Er fuhr mit dem Zeigefinger über das hauch dünne, knisternde Papier und las die Buchstaben, die sich zu Wörtern zusammenfügten und durch ihn und sein Reden an die Zuhörer verteilt wurde.

Viele große erwartungsvolle Augenpaare blickten ihn an, als sehnten sie sich nach dem Ende der Geschichte um sie als Ganzes zu begreifen.

Auch er spürte die Erwartung auf das Ende in sich, obwohl er diese Geschichte schon mehrfach gelesen und auch oft vorgetragen hatte. Das letzte Wort, der letzte Buchstabe und was er sah, war Verwunderung und Stille zugleich.

Öfters las er Kindern in einer besonders gemütlichen Buchhandlung sehr schöne Bücher vor.

Heute hatte er sich für die Schöpfungsgeschichte entschieden, obwohl er selbst nicht besonders gläubig war. Trotzdem mochte er die vielen Bilder in der Kinderbibel und wollte den Kindern damit die Schönheit der Natur und damit der Schöpfung vermitteln.

Nach der vergangenen Vorlesestunde trat ein kleines Mädchen mit strahlendem Gesichtsausdruck zu  ihm.

Was er an Kindern so mochte, war ihre ehrliche und aufrichtige Art die das Mädchen durch ihre Frage zu Ausdruck brachte: „Meinst du ich kann mich beim lieben Gott für die schöne Welt bedanken, die er für uns gemacht hat, meinst du er wünscht sich irgendwas?“

Er fand diese Frage sehr erstaunlich und fragte sich selbst, warum er nie daran gedacht hatte, sich für all das zu bedanken. „Ich weiß es nicht“, sagte er, „vielleicht freut er sich über ein schönes Bild von seiner Welt, wenn du möchtest, kannst du es nächstes Mal mitbringen.“

Das Mädchen nickte nur und rannte dann voller Tatendrang zu seiner Mutter, die schon auf sie wartete. Zuhause angelangt begann das Kind eifrig mit ihrer Zeichnung und malte mit solch einer Freude, dass jeder der das Bild sehen würde, ihre Begeisterung für ihr Tun erkennen könnte.

Als sie fertig war ging sie zur Kirche und wollte ihr Geschenk dort ablegen, da sie der Überzeugung war, Gott würde es dort mit hoher Wahrscheinlichkeit sehen.

Ihre kleine Hand umschloss die kalte eiserne Klinke der massiven Kirchentür, doch selbst ziehen und zerren half nichts, sie war verschlossen.

Enttäuscht und niedergeschlagen trottete das Mädchen heimwärts. Auf der anderen Straßenseite sah sie eine ältere Dame die einen Spaziergang machte. Man sah deutlich, dass ihre Knochen schmerzten und sie sich quälte. Ihr Spazierstock viel zu Boden und die alte Dame begann sich schon zu bücken als das kleine Mädchen zu ihr eilte und der Frau half. Die Frau bedankte sich herzlich und wollte schon fortgehen als das Kind sie aufhielt und ihr das selbstgemalte Bild entgegenstreckte. „Das ist für dich“, sagte sie stolz und reichte der alten Dame das Bild.

Diese bedankte sich mit einem Lächeln und ging dann freudig ihres Weges.

Bei der nächsten Vorlesestunde kam das kleine Kind grinsend in den Raum. „Und? Hast du dein Bild mitgebracht?“ fragte er. „Nein.“ antwortete sie. „Hast du es vergessen?“ „Nein“, erwiderte das Mädchen abermals. „Dann hast du es ihm also schon gegeben?“ „Ja, und er hat sich sehr darüber gefreut.“

Marie Seher 12, gk Religion (Frau Hoffmann)